Archäotop Hohe Birga

Rätermuseum Birgitz

Im Mai 2013 konnte das Rätermuseum im Ortszentrum von Birgitz eröffnet werden. In diesem wird durch die Präsentation der zahlreichen auf der „Hohen Birga“ ausgegrabenen Funde ein Abbild des Alltags und der Lebenswelt in einer Siedlung der jüngeren Eisenzeit in Tirol gezeigt.


Bei der „Hohen Birga“ handelte es sich um eine bäuerliche Siedlung, die aufgrund der gemachten Funde wohl spätestens seit dem 3. Jh.v.Chr. bestand, ihre Blütezeit aber im 1. Jh.v.Chr. hatte. Die Siedlung lag auf einer geschützten Kuppe und dementsprechend musste sich der Hausbau dem Gelände anpassen. Die Gebäude wurden auf künstlich errichteten Terrassen zumeist direkt in den Hang bzw. den anstehenden Boden eingetieft. Der Eingang der aus massiven Steinen in Trockenbauweise errichtet wurde glich einem teils verwinkelten Korridor, der den Innenraum vor Kälte und Wind schützen sollte. Die übrigen aufgehenden Wände wurden aus Holz, in Block- oder Ständerbauweise, errichtet und die Dächer mit Schindeln gedeckt. Eine anschauliche Rekonstruktion im Museum im Maßstab 1:15 zeigt den Aufbau einer solchen sogenannten Casa Raetica und gewährt auch einen Blick in das Innere des Gebäudes.

 


Naturwissenschaftliche Untersuchungen liefern Hinweise zu Flora und Fauna und somit Ackerbau- und Viehzucht. Ein im Museum ausgestelltes Pollenprofil ermöglicht den Gewinn von Ergebnisse über die Agrar- und Vegetationsgeschichte. Durch Analyse der darin gefundene Samen-, Pollen-, Sporen- oder Früchtereste kann auf die ehemalige Vegetation in der Umgebung der Siedlung sowie auf die Ernährung ihrer Bewohner geschlossen werden. Die wirtschaftliche Grundlage bildete v.a. der Ackerbau, der auch durch Funde wie einen Mahdhaken und eine Sichel, aber auch große Mahlsteine im Museum gezeigt wird.

 

Zur Fleisch- und Milchversorgung wurden, wie Funde von Tierknochen belegen, Tierherden v.a. Schafe und Ziegen, aber auch Rinder gehalten. Schweine, Pferde und Geflügel sind ebenfalls, allerdings in deutlich geringerer Zahl nachgewiesen. Auch die Jagd dürfte nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

 


Auch Töpferei, Metall- und Glasverarbeitung ist auf der „Hohen Birga“ nachgewiesen, wenn sich der genaue Umfang auch unserer heutigen Kenntnis entzieht. An Kleinfunden traten zahlreiche keramischen Reste, aber auch Objekte aus Metall, Glas und Bein auf. Neben Schmuckobjekten wie Fibeln, Ringe, Nadeln und Anhänger aus Bronze oder Eisen kommen auch Bruchstücke von farbigen gläsernen Armringen und Glasperlen vor. Werkzeuge, Waffen und Gerätschaften des täglichen Lebens wie Messer, ein Bratspieß, eine Lanzenspitze, Wetzsteine und ein Webstuhlgewicht werden ebenfalls im Museum gezeigt. Fibeln, Eisenbarren und Fremdkeramik zeigen zudem, dass die Siedler über rege Kontakte verfügten und auch Anteil am Handel über den Brenner gehabt haben.


 

Medienpräsentation in unterschiedlichen Sprachen auch für Kinder ermöglichen zudem einen vertiefenden Einblick in die Kultur der Räter im Allgemeinen und den Fundplatz „Hohe Birga“ im Speziellen.

Im Museum werden Führungen und museumspädagogische Programme für Kinder und Jugendiche angeboten (mehr). Zu diesen ist eine vorherige Anmeldung per Email (raetermuseum@birgitz.tirol.gv.at) erforderlich.

MitarbeiterInnen des Museumsteams

Ingrid Frohnwieser, Mag. Silvia Gradl, Peter Hatzl, Mag. Martina Hausmann, Anni Mayr, Hans Santer, Dr. Annegret Waldner, Ewald Strohmar-Mauler, Mag. Elisabeth Weiss, Mag. Dietmar Zauchner