Hohe Birga

Archäotop Hohe Birga

Haus VI

Ganz am westlichen abfallenden Ende der „Hohen Birga“ wurden in den Jahren 2010–2011 und 2013 im Bereich einer weiteren Altgrabung Nachuntersuchungen vorgenommen werden. 1950 hatte Osmund Menghin hier nach eigenen Angaben eine Regenwasserzisterne freigelegt. Zum Aussehen gibt es nur spärliche Angaben und keinen publizierten Bericht. Die Zisterne hätte man ähnlich wie beim Hausbau in den Hang hineingesetzt und an den Wänden mit Mauern versehen. Das dabei ausgehobene Material wäre an der Vorderseite wallförmig aufgeschüttet und die Kante dieser Aufschüttung durch große Steine, möglicherweise auch eine Holzkonstruktion, vor dem Abrutschen gesichert worden

 

Um das genaue Aussehen der angeblichen Zisterne zu klären, wurde in dem deutlich durch eine tiefe Senke erkennbaren Bereich eine Grabung vorgenommen. Dabei fanden sich aber keinerlei Spuren einer Zisterne sondern es konnte ein weiteres, bislang noch unerforschtes Gebäude im Typus Casa Raetica freigelegt werden.

Die Senke von „Haus VI“ vor Beginn der Grabungen 2010


„Haus VI“ nach der vollständigen Freilegung 2013

 
Das längsrechteckige Gebäude war in den gewachsenen Schotterboden eingetieft worden. Der Zutritt in den Innenraum erfolgte über einen im Osten gelegenen gewinkelten, abfallenden Korridor. Die während der Grabungen noch in Versturzlage angetroffenen, ursprünglich die gesamte Gangbreite überspannenden, massiven Deckplatten wurden entfernt. Sämtliche Gangmauern waren aus großen Bruch- und Bachsteinen in Trockenbauweise mit teilweise noch erhaltener Lehmbindung errichtet worden, die ohne Hinterfüllung direkt in die Baugrube gesetzt worden waren.

Der Korridor mit verstürzten Deckplatten

 

und nach ihrer Entfernung 2010 und 2011

Der Abfallende Korridor mündete in einen Innenraum, der umlaufende Steinfundamente aufwies, die auf einen Ständer- oder Blockbau schließen lassen. Das tragende Gerüst der hölzernen Wandkonstruktion und des Daches bildeten Mittel-, Seiten- und Eckpfosten, die zum Schutz vor Bodenfeuchtigkeit und um ein Einsinken in den Lehm- bzw. anstehenden Schotterboden zu verhindern, auf flache Steinplatten als Auflagesteine gestellt worden waren.

Eine große flache, durch Hitzeeinwirkung verfärbte und brüchig gewordene Schieferplatte kann als Herdstelle angesprochen werden. Der Fußboden des Innenraumes bestand aus einer an manchen Stellen bis zu 15 cm starken gestampften Lehmschicht.

Der Innenraum von „Haus VI“ während der Grabungen 2011

 

Das Fundspektrum beinhaltet zahlreiche Bronzeobjekte wie einen Ring, Fibeln, Anhänger, Bleche, Kettenglieder mit Klapperblechen und Glasobjekte wie Perlen, Armreife sowie Keramikfragmente und zahlreiche Tierknochen. Von besonderem Interesse waren eine keltische Silbermünze sowie mehrere ringförmige verzierte Korallenstücke, die weitreichende Handelskontakte der Dorfbewohner vom nördlichen Alpenvorland bis in den westlichen Mittelmeerraum belegen

 

Im Rahmen des weiteren Ausbaus des archäologischen Parks auf der „Hohen Birga“ wurden auch die Mauern von Haus VI konserviert und die Holzeinbauten rekonstruiert. Auch die ursprünglich den Korridor überspannenden, originalen steinernen Deckplatten wurden – zur Sicherung auf einem modernen Stahlgerüst platziert – wieder über dem Gang angebracht. Von besonderem Interesse ist die Tür vom Korridor in den Innenraum an welcher ein hölzernes Schubriegelschloss mit Hakenschlüssel rekonstruiert wurde. Zum Schutz sind sämtliche Überreste mit eine modernen Schutzdachen versehen.